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Kein Raum für Kinder

Weil sich die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten im vergangenen Jahr in vielerlei Hinsicht als kaum zu bewältigende Aufgabe erwiesen hat, stelle ich die Tätigkeit als selbstständige Tagespflegeperson zum 1.12.2016 ein.

Ich danke allen Leserinnen und Lesern dieses kleinen Blogs, allen Interessentinnen und Interessenten und natürlich allen Eltern, die mir in den vergangenen knapp fünf Jahren ihr Kinder anvertraut haben, von ganzem Herzen für dieses Vertrauen!

Ich werde in der Zukunft an anderer Stelle, in anderer Form und sehr viel ausführlicher von diesen knapp fünf Jahren als Mann in der Kindertagespflege berichten.

Bis dahin wünsche ich Ihnen und Ihren Familien eine friedvolle und besinnliche Adventszeit, alles Gute und ein herzliches

auf Wiedersehen!

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Die Saison ist eröffnet!

Bis sie in die Schule kommen, machen Kinder durchschnittlich 13 Infekte pro Jahr durch. Gerechnet auf das Herbst- und Winterhalbjahr bedeutet das: Alle zwei Wochen. Das Thema Krankheit ist somit – neben der nicht leistungsgerechten Bezahlung – nach wie vor das größte Thema in der Kindertagespflege. 

Krank zu sein, ist unangenehm und, um es mit unserem jüngeren Sohn zu sagen, „turbo-langweilig!“ Für Eltern ist es nicht schön und möglicherweise sogar eine belastende Erfahrung, das eigene Kind krank zu sehen, zumal wenn es das erste und noch sehr klein ist. Kleine Kinder, die noch keine Möglichkeit haben, sie sprachlich mitzuteilen, erleben Krankheit schon aus diesem Grund ganz anders als größere Kinder. Vor allem aber erleben sie Krankheit als etwas ganz Neues.

Mitten im Leben überrascht und erschreckt einen Erwachsenen ein Infekt mit Kopf- und Gliederschmerzen, mit Fieber und Husten und einer allgemeinen Abgeschlagenheit nicht mehr sonderlich. Er ist lästig, aber man weiß, was mit einem geschieht – und dass er wieder vorbei geht! Anders schaut es da mit kleinen Kindern aus. Sie wissen eben noch nicht, wie ihnen geschieht. Alle Erfahrungen, die Schmerzen, das Fieber, das Unwohlsein, möglicherweise das sich-übergeben-Müssen, die fehlende Kraft und Lebendigkeit erfahren sie ganz neu und haben keine Erklärung dafür, ja können sich vielfach eben noch nicht einmal mitteilen. Für Kinder ist Krankheit erst einmal immer eine neue und erschreckende Erfahrung.

Deshalb lange Rede, kurzer Sinn: Kranke Kinder gehören nicht in die Tagespflege, gehören nicht in die KiTa und gehören nicht in die Schule. Eine laufende Nase lässt sich im Winterhalbjahr sicher nicht immer vermeiden (Stichwort: dreizehn Infekte jährlich), trotzdem sollten Eltern, je nach Verfassung des Kindes, überlegen, ob nicht das bereits Grund genug sein könnte, ein Kind lieber einen oder zwei Tage zuhause zu betreuen.

Das klingt möglicherweise erst einmal übertrieben. Allerdings nur deshalb, weil wir mit dem oben beschriebenen Erwachsenen-Empfinden an die Sache heran gehen. Der Schnupfen mit etwas Abgeschlagenheit ist für uns nichts Besonderes (mehr) und es wird in unserer Gesellschaft schlicht verlangt, dass wir auch damit (und möglicherweise stärkeren Erkrankungen) unserer Erwerbstätigkeit nachgehen – unsere „Pflicht erfüllen“! Anders ist das eben bei Kindern. Das Konzept gegen das eigene schlechte Gefühl anzugehen, ist ihnen noch unbekannt. Sie werden es früh genug kennenlernen…

[Fortsetzung folgt…]

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Damit wir in Kontakt kommen

Liebe Interessentinnen und Interessenten!

Zum Herbstanfang habe ich nicht nur Auszüge aus meinem im Rahmen des Qualifizierungskurses „Kinderbetreuung in Tagespflege“ entstandenen Konzept für Sie eingestellt. Es gibt nun außerdem einen Fragebogen, den Sie sich herunterladen können. Wenn Sie Interesse an einem Tagespflegeplatz für Kind haben, senden Sie diesen Fragebogen bitte ausgefüllt an mich zurück!

Ich wünsche einen erkältungs- und infektfreien Start in einen möglichst goldenen Herbst!

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Weil die Sache es wert ist

Ein Grund dafür, dass ich dieses feine Blog im letzten halben Jahr so sträflich vernachlässigt habe – vernachlässigen musste – war die Beantragung einer neuen Pflegeerlaubnis, die alle fünf Jahre ins Haus steht. Die zeitlichen und finanziellen Voraussetzungen dafür waren erheblich. Für sehr viel anderes, zumal wenn man dafür einen einigermaßen klaren Kopf benötigte, war keine Zeit mehr.

80 Stunden Fortbildung, teils mehrmals in der Woche abends sowie an Samstagen, zzgl. 20 Stunden Fahrtzeit, weitere ca. 80 Stunden an Vorbereitungen auf eine schriftliche, eine mündliche Prüfung sowie einen Vortrag, den es in der mündlichen Prüfung zu halten galt und ein neues Konzept (s. unten) für die Tagespflegestelle. Dazu Arzt- (Gesundheitszeugnis) und unmöglich Termine im Bonner Stadthaus (Bonner Bürgerinnen und Bürger wissen, wovon ich spreche) für ein Führungszeugnisse für mich sowie für meine Frau.

Insgesamt gut und gerne viereinhalb 40-Stunden-Wochen, die neben meiner eigentlichen Tätigkeit und selbstverständlich unbezahlt zu erbringen waren. Im Gegenteil! Die finanziellen Kosten waren enorm: 285 € für die Fortbildung, Fahrtkosten, Kosten für Babysitter, polizeiliche Führungszeugnisse, ärztliche Atteste… Alles in Allem ca. 600 € netto, die aus eigener Tasche zu erbringen waren.

Aber ich habe Zeit und Geld gerne investiert und ich habe auch gut investiert. Das sogenannte „Aufbaumodul“ des Qualifizierungskurses „Kinderbetreuung in Tagespflege“, das inzwischen für eine Pflegeerlaubnis verlangt wird, war über weiteste Strecken interessant und vielfach sehr lehr- und hilfreich. Viele Themen wurden mir noch einmal ins Gedächtnis gerufen, aufgefrischt, der Fokus nach fünf Jahren Tätigkeit noch einmal neu gesetzt.

Manches stellt sich dabei, mit einigen Jahren Erfahrungen, ganz anders oder sogar gänzlich neu dar und muss überdacht, möglicherweise verändert werden. Feedback von Kolleginnen und Kollegen sowie den Dozentinnen war eine bereichernde Inspiration, immer wieder über die eigene Person, die eigenen Ziele, Vorstellungen und Wünsche nachzudenken. Und das ist ein ganz zentraler und wesentlicher Aspekt an der Arbeit in der Kindertagespflege.

Dabei entstanden ist ein neues, strukturierteres, umfangreicheres und hoffentlich informativeres und aussagekräftigeres neues Konzept. Es ersetzt die bisher auf dieser Seite verfügbaren, recht mageren Ausführungen der vergangenen Jahre. Auszüge aus dem neuen Konzept werde ich in den Kommenden Tagen auf dieser Seite veröffentlichen. Allen Interessierten sende ich auf Anfrage auch gerne das komplette Konzept als PDF zu.

Ich freue mich über Ihr Interesse, Ihre Fragen und Anregungen und hoffe, von Ihnen zu hören!

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Ein Trauerspiel folgt dem nächsten

Nach schier ewiger Krankheits-, Winter-, Frühlings- und Sommer-, Urlaubs-, Denk- und Kreativ-, Weiterbildungs-, Ein- und Umgewöhnungspause möchte ich mich bei allen Leserinnen und Lesern für das positive Feedback bedanken, das ich immer wieder einmal zu dieser kleinen Website bekomme. Darüber freue ich mich immer sehr und danke weiterhin für Ihr Interesse!

Heute also geht es weiter mit der traurigen und ziemlich weitreichenden Erkenntnis, dass die Kindertagespflege etwas ist, das man in erster Linie aus ideellen Gründen macht, nicht aus finanziellen. Inzwischen habe ich nämlich meinen Steuerbescheid für das Jahr 2014 erhalten. Der Gewinn, den ich aus meiner Tätigkeit als Tagespflegeperson unter der neuen Satzung zu versteuern habe, beträgt 0 €. Nach gigantischen 167 € zu versteuerndem (!) monatlichem Gewinn im Jahr 2013, habe ich 2014 monatlich 4 € draufgezahlt. So viel zum Thema „Der Stundensatz von 4,50 € ist ‚auskömmlich‘“.

Weiterhin gedenkt die Stadt nicht, an diesen Zuständen etwas zu ändern. Seit dem 1. April 2016 gilt in Bonn eine neue Tagespflegesatzung (auch wenn sie dazu taugt: Leider kein Aprilscherz!). Geändert hat sich gegenüber der rechtswidrigen alten Satzung nichts. Die Sätze für die Bonner Tagespflegepersonen sind dieselben, lediglich die Gewichtung von Sachkostenanteil und „Anerkennung der Pflegeleistung“ haben sich durch einen spitzfindigen Rechentrick verändert. Unterm Strich bleibt nichts. Die Grundlage für die Neuberechnung ist hochproblematisch. Das wurde der Stadt auch bereits vom Verwaltungsgericht Köln mitgeteilt. Weitere Prozesse stehen ins Haus.

Rechtmäßige Satzungen scheinen die Sache der Stadt Bonn nicht zu sein. Wenn Sie Kinder im Kindergartenalter haben, haben Sie es möglicherweise bereits mitbekommen: Am vergangenen Freitag wurde die Beitragssatzung für das Kitajahr 2014/2015 in einem Urteil des Verwaltungsgerichts Köln (Aktenzeichen: 19 K 335/15) für unwirksam erklärt. Wer gleichzeitig ein Vorschul- sowie ein Geschwisterkind betreuen ließ und für letztes Gebühren gezahlt hat, kann diese nun möglicherweise zurückverlangen. Ein finanzieller GAU und weiterer Imageschaden in Sachen Kinderbetreuung für das Jugendamt und die Stadt Bonn.

Nun muss also neben einer neuen Tagespflegesatzung, die bald wieder ins Haus stehen dürfte, auch eine neue Satzung für die Kitabeiträge her. Viel Arbeit für den Jugendhilfeausschuss. Das Traurige ist nur: Das Geld, das nun möglicherweise aufgrund der Unfähigkeit Einzelner rückerstattet werden muss, fehlt natürlich in den Kassen und an anderer Stelle. Trotzdem sollten Sie natürlich Widerspruch gegen den rechtswidrigen Gebührenbescheid einlegen und sich Ihr Geld zurückholen.

Ich gebe die Hoffnung jedenfalls nicht auf: Übung macht am Ende möglicherweise – selbst im Falle der Lokalpolitik – den Meister…

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„Es drohen neue Klagen“

Der Bonner General-Anzeiger berichtet in seiner heutigen Ausgabe von der morgigen Sitzung des Kinder- und Jugendhilfeausschusses der Stadt Bonn (18 Uhr im Ratssaal des Stadthauses). Der Ausschuss soll die Beschlussvorlage der Stadtverwaltung für die Neufassung der Satzung zur Förderung der Kindertagespflege beraten, bevor die am 25. Februar dem Rat zur Abstimmung vorgelegt wird.

Ob sich die SPD-Fraktion mit ihrem sehr vernünftigen und in die richtige Richtung gehenden Änderungsantrag gegen die schwarz-grüne Mehrheit im Rat wird durchsetzen können, dürfte mehr als fraglich sein. Nicht zuletzt die Beseitigung von Dezernentin Angelika Maria Wahrheit aus ihrem Amt zeigt, dass der CDU-dominierte Rat in Sachen Kinder- und Jugendarbeit seine eigene Linie durchziehen will und vermutlich kein Interesse an irgendwelchen Einwänden oder Vorschlägen der SPD haben dürfte.

Die Überschrift jedenfalls hätte treffender nicht sein können: Die Stadtverwaltung ignoriert in erschreckender Weise und in ganz erheblichem Maße die Vorgaben aus dem Urteil des Verwaltungsgerichts. Weitere Klagen sind programmiert, dieses Mal hoffentlich von mehr als lediglich zwei von knapp 250 Tagespflegepersonen in Bonn.

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Eingewöhnung – Teil 2

Auch wenn es eine viel bemühte Phrase ist – sie stimmt: „Jedes Kind ist anders.“ Und so bringt jedes Kind auch seine eigenen Voraussetzungen für die Eingewöhnung und die anschließende Betreuung mit. Die einen sind etwas neugieriger und „extrovertierter“, andere Kinder sind vorsichtiger, vielleicht eher abwartend und beobachtend. Manche Kinder sitzen erst einmal eine Woche bei ihren Eltern auf dem Schoß und schauen. Und erweisen sich vielleicht dann wiederum als diejenigen, denen ein Abschied von den Eltern viel leichter fällt, die also das Vertrauen haben, dass Mama oder Papa wiederkommen, während diejenigen, die erst einmal vertrauensvoll und forsch die Umgebung erkunden, bei der eigentlichen Abgabe viel größere Probleme haben können.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wie eine Eingewöhnung verläuft, merkt man erst, wenn man sie macht. Zumindest ich habe allerdings noch keinen Fall erlebt, in dem ein Kind keine Eingewöhnung benötigt hätte. „J. benötigt gar keine Eingewöhnung. Er/sie ist so vertrauensvoll, sie/er bleibt bei jedem. Er/sie merkt gar nicht, wenn ich gehe.“ In bindungstheoretischer Hinsicht schrillen da natürlich alle Alarmglocken, während Eltern vielleicht nur glauben, es besonders „gut getroffen“ zu haben, weil die Eingewöhnung so „unproblematisch“ abläuft und das Kind die Trennung so gut „verkraftet“. Dabei verkraften möglicherweise gerade Kinde, die „gut verkraften“ gar nicht gut…

Grundsätzlich gilt: Für eine gelungene Eingewöhnung sind drei bis vier Wochen zu veranschlagen. Vielleicht geht es schneller, möglicherweise braucht es aber auch länger. Vorhersagen sind nicht möglich.

Die Eingewöhnung eines Kinder ist durchaus für alle Beteiligten (das Kind selbst, die abgebenden Eltern, die Tagespflegeperson, die anderen Tagesinder) eine Herausforderungen, denn durch sie ist der übliche Ablauf erst einmal beeinträchtigt. Begegnet man dieser Herausforderung aber, macht sie sich letztendlich „bezahlt“. Bei knapp 80 Wochen Betreuung (entspricht anderthalb Jahren), kann man, finde ich, ruhig einmal ein knappes Prozent der Zeit für eine gelungene Eingewöhnung investieren, wenn es danach allen Beteiligten besser geht. Denn eines sollte man nicht unterschätzen: Die Eingewöhnung erleichtert auch den abgebenden Eltern die spätere Trennung…

Habe ich den Verdacht, dass Eltern sich nicht konstruktiv an einer Eingewöhnung beteiligen könnten, biete ich kein Betreuungsverhältnis an, denn mit ihr beginnt und steht und fällt, wie ich inzwischen weiß, ein nach Möglichkeit anderthalb- bis zweijähriges Vertrauensverhältnis.